Zusammenarbeit mit dem Ak Asyl – Wir nehmen Abschied von Ursula Hess

Menschlichkeit, Leidenschaft und Fürsorge – drei Worte, die heute wiederholt gefallen sind – beschrieben eine Person, die seit über 40 Jahren Unbeschreibliches geleistet und vollbracht hat. Ursula Hess, die vor 40 Jahren den Arbeitskreis Asyl gründete und seitdem geleitet hat, ist am Neujahrstag verstorben. Gestern fand am Waldfriedhof ihre Aussegnung statt. Viele Weggefährtinnen und Freunde sowie ehemalige Schüler und Schülerinnen der Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl waren gekommen, um Ursula Hess die letzte Ehre zu erweisen.

Der Arbeitskreis Asyl, mit dem das Elly-Heuss-Gymnasium seit nunmehr 20 Jahren im Rahmen der Praktika am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium eine enge Partnerschaft pflegt, wurde 1985 von Ursula und Jost Hess mit weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern gegründet, um traumatisierten Flüchtlingskindern ein Stückchen Normalität und Lebensfreude zurückzugeben. Tausende von Kindern sind seitdem in der Hausaufgabenbetreuung des Ak Asyl zum Großteil ehrenamtlich betreut und begleitet worden. Anfangs waren es nur die kleinen Kinder, dann aber auch die Schulkinder. Für Ursula, die in Würzburg selbst Biologie und Chemie fürs Lehramt am Gymnasium studiert hatte, war es immer ein zentrales Anliegen, dass die Kinder schnell Deutsch lernten, denn nur so hätten sie eine echte Chance auf Teilhabe, zunächst in der Schule, dann aber auch in der Gesellschaft. Sie blieb sich und ihrem Auftrag immer treu, auch wenn es nicht immer einfach war, sie so manche Kämpfe auszufechten und Anfeindungen auszuhalten hatte. Doch das Schicksal der Kinder lag ihr immer am Herzen, ihnen galt ihr ganzes Engagement. Und weil es oftmals in den offiziellen Unterkünften keinen Platz mehr gab oder gar Abschiebungen drohten, nahm Familie Hess über viele Jahre hinweg Asylsuchende und Geflüchtete auch im eigenen Haus auf.

Für ihr besonderes Engagement wurde Ursula Hess 1993 mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. 2015 erhielten sie und ihr Mann für den AK Asyl den Oberpfälzer Integrationspreis und im Mai 2025 wurden Ursula und Jost Hess mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Weiden geehrt. Mit Jost Hess war Ursula 62 Jahre lang ein sich wunderbar ergänzendes Team, das sich bei der Arbeit im Ak Asyl, aber auch in der Familie wunderbar ergänzte. Zusammen bekamen sie zwei Söhne und eine Tochter, die ihr Abitur übrigens auch am Elly-Heuss-Gymnasium absolvierte und inzwischen Migrationsforscherin an der Uni Göttingen ist.

Bei Ursula Hess wurde 2021 atypisches Parkinson diagnostiziert, doch bis 2024 ging sie ihrer Arbeit beim Ak Asyl nach. Gemeinsam hätten sie versucht, die Welt ein Stückchen besser zu machen, sagte Jost Hess bei einem Interview zur Verleihung der Goldenen Bürgermedaille im Mai 2025. Das haben sie in der Tat geschafft! Ursula, eine Heldin, eine Kämpferin für Menschenrechte, ein großes Vorbild für uns alle, an jedem einzelnen Tag!

 

Text und Fotos: Sabine Hoffmann, Oberstudienrätin

Elly-Heuss-Schülerinnen der 9. Jgst. und Abiturientinnen bei einer Spendenübergabe im September 2015

Ursula Hess beim Antrittsbesuch von Schülerinnen der 8. Jahrgangsstufe.

Ursula Hess berichtet im Oktober 2018 über die Flüchtlingskinder, die beim Ak Asyl betreut werden, über Flucht und die Chance auf einen Neuanfang.

Elly-Heuss-Schülerinnen bei einer Spendenübergabe im Jahr 2017.