Warum wir ein Mädchengymnasium für eine tolle Sache halten

Szenen zum Mut machen und Nachdenken

Selbstbewusstsein entwickeln: in Ruhe und ohne Irritationen

Cornelia Funke, die bekannte Autorin von den “Wilden Hühnern” oder von “Tintenherz” erzählt einmal von ihrer Tochter Anna, die eine Mädchenschule in den USA besuchte. Ihr Motiv: Sie sei es leid gewesen, dass sich nette Mädchen jedes Mal in unselbständige Zicken verwandelten, wenn Jungs in der Nähe waren.

Und zu ihrer eigenen Schulzeit an einer Mädchenschule sagt Cornelia Funke: „An einer Mädchenschule kannst du lernen, dass es  k e i n e Grenzen für Frauen gibt. Frauen können alles,  a l l e s. Es gab nichts, was wir nicht machten. Wir waren alle sehr selbstbewusst.“ Ein ruhiges Umfeld und eine gute Schulatmosphäre ohne große Irritationen dürfte der Entwicklung vieler Mädchen und jungen Frauen förderlich sein.

Und das ist nur einer der Gründe, warum wir unser Angebot einer Mädchenschule in der Region für wichtig und gut halten. Wir freuen uns, dass es gut angenommen wird.

 

Auszeichnungen bei Experimente-Wettbewerb

Unbeschwerterer Umgang mit „MINT“–Themen

Fachleute können Mädchengymnasien viel Positives abgewinnen: Dass Mädchen in Lese– und Sprachkompetenzen traditionell stark sind oder musische Vorlieben wie Tanz und Musik gerne pflegen, ist bekannt. Wenn man sich die Diskussion zu den Vorteilen eines getrennten Unterrichts von Jungen und Mädchen in anderen Fächern ansieht, gibt es noch weitere interessante Ergebnisse. So können sich vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern bestimmte Vorzüge ergeben. Oft wird diskutiert, ob Mädchen nicht unbeschwerter mit Mathematik, naturwissenschaftlichen oder technischen Themen und Fächern umgehen, wenn keine Jungen in der Klasse sind. Wir wollen junge weibliche Talente gerade auch für diese sog. „MINT–Fächer“, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern. Es gelingt uns erfreulich oft – und immer öfter.

Einfach gut drauf!

 

Kein rollentypischer Stress an der Schule – nirgends

Unbestritten ist, dass sich traditionelle Rollenmuster an einer Mädchenschule tendenziell nicht so stark herausbilden bzw. verfestigen: Am Computer, in Mathematik oder Chemie, im Politik–Labor, im Wahlkurs Naturwissenschaftliches Arbeiten, bei Experimente–Wettbewerben, bei Planspielen oder bei „Jugend forscht“, in der Philosophie–Werkstatt, in Debattierzirkeln oder im Extra–Kurs „Komplexchemie“: Nirgends gibt es rollentypischen Stress an unserer Schule: Auch nicht in der Jugendherberge, nicht in der Klassendynamik oder auf der Abiturfahrt. Und auch bei der Übernahme von Verantwortung ist manches ein bisschen selbstverständlicher organisiert, die üblichen Gender–Zuweisungen spielen naturgemäß eine geringe Rolle.

 

Sich trauen, sich helfen, sich wagen...

Ach ja: Die üblichen Vorurteile…

Zicken? Haben wir manchmal. Wie alle anderen Schulen auch. Und Zicken sind bekanntlich nicht nur weiblichen Geschlechts – gerade in d e r  Altersphase, „in der Eltern schwierig werden“. Und warum lassen sich eigentlich so viele Menschen ihr Bild von Mädchen und jungen Frauen von inszenierten Samstagabendsendungen einreden – mit höchst fragwürdigen Tendenzen und alten Vorurteilen. Unsere Mädchen freuen sich jedenfalls ohne Getue – oft sogar aufs Lernen – auf jeden Fall aber auf ihr Leben.

Umgang mit Jungs? Die Vermutung, das Verhältnis zu Jungs würde sich an einem Mädchengymnasium nicht altersgemäß entwickeln, ist schon sehr weit hergeholt und eher altertümlich. Die vielen Kontakte außerhalb der Schule über Freizeit und Sport, auf dem Schulweg, über Jugendgruppen, beim Tanzen, am Wochenende oder bei Veranstaltungen der Schulen miteinander ermöglichen genügend Kontakte. Dass dies sehr gut funktioniert, wird uns im Alltag ständig bewiesen…

 

Und was sagen Expertinnen und Experten?

Das Potential von Mädchenschulen nutzen

Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes mehrjähriges Projekt untersuchte Merkmale, die Mädchenschulen auszeichnen und was sie zur Förderung von Mädchen und ihrer Sozialisation leisten. An mehreren Schulen wurden dazu von 2002 bis 2008 empirische Daten erhoben. Daraus entstanden mehrere Dissertationen, die z. B. in der wissenschaftlichen Reihe „Weibliche Adoleszenz und Schule“ des Verlags Barbara Budrich, Opladen, erscheinen.

„Mädchenschulen sind zwar zu einem großen Teil `alte´ Schulen, die vor Jahrhunderten gegründet wurden und auf eine lange Tradition zurückblicken können, aber längst nicht altmodisch – sie sind zugleich moderne Einrichtungen, deren Potentiale bis dato unseres Erachtens unterschätzt werden.“

Prof. Dr. Leonie Herwartz–Emden, Leiterin des Projekts

Aufschlussreich dabei ist der Aspekt, mit welchen Vorurteilen Mädchenschulen leben müssen – wie es scheint überall – und wie sie damit umgehen. Überraschend für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Das Forschungsprojekt sah sich schnell selbst solchen Vorurteilen ausgesetzt.

Hoch interessant bleibt, wie das Selbstverständnis der einzelnen Schule und ihre Selbstdarstellung sich auf Selbstbewusstsein der Schülerinnen, ihre Identifizierung mit der Schule und die Akzeptanz der Schule auswirken. Wir wissen auch hier um unsere Chancen für die Schule und noch mehr für unsere Schülerinnen.

Zum Lesen und Weiterschmökern…
  • Leonie Herwartz–Emden (Hrsg.): Neues aus alten Schulen – empirische Studien in Mädchenschulen,  Opladen 2007
  • Leonie Herwartz–Emden/Verena Schurt/Wiebke Waburg (Hrsg.): Mädchen in der Schule – Empirische Studien zu Heterogenität in monoedukativen und koedukativen Kontexten, Opladen 2010

Die beiden Bände sind – wie auch andere aktuelle Fachliteratur zum Thema – an der Schule ausleihbar. Nehmen Sie ggf. Kontakt mit dem Sekretariat auf!