Laufen für Respekt und Verständnis in einer Gesellschaft der Vielfalt

Lothar Höher, der 3. Bürgermeister von Weiden, bei der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler und der geladenen Gäste

Am Tag nach der Bundestagswahl 2017, am 25.09.2017, exakt zwei Monate und fünf Jahre, nachdem das Elly-Heuss-Gymnasium Schule ohne Rassismus –Schule mit Courage geworden ist, traf man sich erneut, um an die Preisverleihung von damals zu erinnern, aber auch um sich bewusst an den Auftrag zu erinnern, der mit dem Titel verbunden ist: Aktives Engagement gegen jede Form der Diskriminierung!

Das Elly-Heuss-Gymnasium hat sich damals bewusst dazu verpflichtet, konsequent und kontinuierlich gegen die Diskriminierung von Menschen aufzuklären und vorzugehen, die wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Behinderung in irgendeiner Art und Weise benachteiligt oder schlecht behandelt werden. Mit Dr. Jack Terry, dem jüngsten Überlebenden und Sprecher der Überlebenden des KZ-Flossenbürg, hatte die Schule einen Paten für sich gewinnen können, der sein ganzes Leben dieser Aufgabe verschrieben hat. Entsprechend konnte er damals bei der Titelverleihung vor fünf Jahren auch die versammelte Schulgemeinschaft mit seinen Worten besonders überzeugen: “Ich fühle mich geehrt, bei diesem Projekt als Pate mitzuwirken”, sagte er damals. “Ich weiß, was Rassismus in der Vergangenheit für Auswirkungen hatte”. Terry appelliert an die Anwesenden, tolerant im Leben zu sein und aktiv einzugreifen. “Gebt eurem Umfeld und euren Kindern die Botschaft von Courage weiter. Für dieses Thema muss jeder sensibilisiert werden.”

Sophie setzt eher auf Ausdauer: lieber langsamer und dafür länger durchhalten

Dass sich das Kollegium und die Schülerinnen des Elly-Heuss-Gymnasiums nicht auf diesem Titel ausgeruht haben, zeigen die vielen unterschiedlichen fachbezogenen und fachübergreifenden Aktionen, die über die Jahre hinweg von ganz unterschiedlichen Fachschaften zum Titel passend angeboten wurden: Filme, W- und P-Seminare, Seminare und Musik-Workshops mit externen Gästen, Vorträge, Benefizläufe, Trainings zum sinnvollen Umgang mit rechten Parolen, Theaterstücke, Planspiele, Fortbildungen der Lehrkräfte und und und …

Mit dem Spendenlauf zu Beginn des aktuellen Schuljahres gemeinsam mit der Gustl-Lang-Wirtschaftsschule und der Europa-Berufsschule in Weiden wollte man dem Jubiläum einen besonderen Rahmen geben. Auch die beiden anderen Schulen tragen seit fünf Jahren den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Mit einer schul- (arten-) übergreifenden Aktion am 25. September 2017 haben die drei Schulen gemeinsam für einen guten Zweck Spenden gesammelt, um so einerseits das Fünfjährige offiziell zu begehen und zu feiern, aber auch um das Bekenntnis zu einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu erneuern.

Noch bevor sich die Schülerinnen und Schüler in Bewegung setzen konnten, wurden sie von Lothar Höher, 3. Bürgermeister von Weiden, und von Andrea Glaubitz, Vertreterin der Regionalkoordination Oberpfalz von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, begrüßt, und man dankte ihnen für ihr für ihr Engagement. Die er-laufenen Spendengelder werden an zwei regionale Einrichtungen gehen: dem Arbeitskreis Asyl in Weiden, mit dem das Elly-Heuss-Gymnasium schon eine jahrelange Kooperation pflegt, und an die Rasselbande in Neustadt, eine Einrichtung, die sich seit Jahren für Familien mit Kindern mit den unterschiedlichsten Behinderungen einsetzt.

Den Schülerinnen des P-Seminars, die damals am 25. Juli 2012 den Titel in Empfang genommen hatten, war folgendes besonders wichtig: „Wir sind für diese Zivilisation, die die Menschen zusammenhält, verantwortlich! Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass Toleranz und Rücksicht keine leeren Worthülsen sind, sondern tatsächlich Worte mit Inhalt und Bedeutung!” Es lohne sich Courage zu zeigen. Die Botschaft der Schülerinnen: “Jetzt liegt es an dir und mir! Bedanken wir uns für die Verschiedenheit!”

Nach dem Lauf wurden zunächst die gelaufenen Runden in die Klassenlisten übertragen, dann gab es noch Müsli und eine kleine Überraschung

Offen populistische und extreme Tendenzen, die es inzwischen auch in den Bundestag geschafft haben, vermitteln ganz stark den Eindruck, dass im gesellschaftlichen Miteinander zuweilen Respekt und Toleranz verloren gegangen sind und dass lautes Brüllen von Beleidigungen und Diskriminierungen akzeptierte Umgangsformen geworden sind, die Recht und Wahrheit zu verbreiten meinen. Gerade auch deshalb ist der Auftrag an die Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage, Toleranz, Respekt und Zivilcourage zu üben und zu fördern, aktueller denn je. Das Elly-Heuss-Gymnasium nimmt diese Verpflichtung wahr und hat zum Jubiläum sein Versprechen erneuert: Wir machen weiter und werden uns sicher nicht auf dem Titel ausruhen!