Auf den Spuren deutscher Diktaturen

Kein Lächeln, kein Winken, keine Leiter außen am Haus – das Leben im ostdeutschen Teil von Mödlareuth war bestimmt von abstrusen Reglementierungen. „Das klingt so, als würde man sich in die fremde Welt eines Fantasy-Romans einlesen“, beschreibt eine Schülerin ihre ersten Eindrücke.

In der Tat versetzt die Ferien-Exkursion der Schülerakademie Geschichte des Elly-Heuss-Gymnasiums zum deutsch-deutschen Museum im oberfränkischen Mödlareuth die Teilnehmerinnen in eine völlig unbekannte Welt. Wer die DDR und ihr Grenzsystem nicht als Zeitzeuge erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie vollkommen unterschiedlich das Leben auf zwei Seiten eines Baches sein kann. Auf der einen Seite die freiheitliche Bundesrepublik, auf der anderen ein Staat, der die Rechte seiner Bürger massiv beschneidet. Am Beispiel des geteilten Dorfes Mödlareuth wird diese Situation besonders zugespitzt erfahrbar, den Spitznamen Little Berlin trägt das einst von einer hohen Mauer durchzogene Dorf zu Recht.

Die beiden Exkursionen in den Herbstferien führen aber auch an zwei andere Orte, die in engem Zusammenhang mit der Nazidiktatur stehen. Der Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes war Schauplatz des Hauptkriegsverbrecherprozesses 1945/46, in dem gegen die verbliebene Elite des Dritten Reiches verhandelt wurde. Die Schülerinnen setzten sich in Führung und Workshop intensiv mit den Anklagepunkten und den Hauptakteuren auseinander und verfolgten die Auswirkungen der Nürnberger Urteile auf die Entwicklung des internationalen Justizwesens. Im Museum Bayerisches Vogtland in Hof zeigt die Ausstellung Flucht und Vertreibung eindrucksvoll an vielen individuellen Beispielen, wie sehr Millionen von Menschen den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen zu spüren bekommen.