Wegen seines Einsatzes für Menschenrechte von der Schule geflogen

Amnesty International lädt zu einem Vortrag mit Urs M. Fiechtner am Elly-Heuss-Gymnasium

Wegen seines Einsatzes für Menschenrechte ist Urs. M. Fiechtner (geboren 1955 in Bonn, aufgewachsen in Chile, Schriftsteller und Begründer der interkulturellen autorengruppe79) in den 70-ern von der Schule ausgeschlossen worden. Seit Jahren wird er im Rahmen seiner Tätigkeit bei Amnesty International an Schulen eingeladen, um über seine Erfahrungen zum Thema Menschenrechte mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.

Mit dieser anfänglichen Anekdote hatte er die Schülerinnen natürlich für sich gewonnen, aber gleichzeitig etwas Wesentliches aufzeigen können: Den offenen Umgang mit Menschenrechten musste sich die Gesellschaft in Deutschland erst mühsam erkämpfen. Seiner Meinung nach hat sich der Kampf jedoch gelohnt und er sieht die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht auf einem guten Weg, wobei er durchaus Gefahren sieht. Es gelang ihm, mit Daten und Fakten die zum Teil recht populistischen Äußerungen verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen auszuhebeln und in Relation zu setzen: Von den weltweit auf der Flucht befindlichen 65 Mio. Menschen, bewegten sich gerade mal 2% auf Europa zu. Während sich aktuell 900.000 Flüchtlinge in Deutschland befänden, lag die Zahl in Nachkriegsdeutschland bei 12,5 Millionen Menschen, welches sich zu dem Zeitpunkt offensichtlich in einem schlechteren Zustand befand als Deutschland heute.

Er klärte außerdem darüber auf, dass der erste Impuls der Mehrheit der Flüchtlinge nicht der sei, nach Deutschland zu kommen, sondern die Flucht, da das Leben in der eigenen Heimat bedroht sei. Eine weitere Mehrheit möchte in der Region bleiben, um nach der hoffentlich baldigen Beendigung des Konfliktes wieder in die Heimat zurückzukehren.

Er sieht allerdings Probleme darin, dass die Politik vieler Länder eher die Flüchtlinge bekämpfte als an den Fluchtursachen zu arbeiten. So würden beispielsweise Flüchtlingslager in gewissen Ländern und die Aufrüstung in einigen Ursprungsländern vieler Flüchtlinge mitfinanziert, um deren Verbleib fernab der europäischen Grenzen zu sichern.

Eine wichtige Aufgabe sieht er in der sinnvollen Integration der Menschen, die nach Deutschland gekommen sind. Über den schwierigen Begriff der Leitkultur kommt er schließlich zu seinen eigenen Erfahrungen des Sich-fremd-Fühlens in verschiedenen Kulturen und kann schließlich aufzeigen, dass Kulturen sich eigentlich gar nicht so wesentlich unterscheiden würden, da doch prinzipiell alle den gleichen Grundbedürfnissen folgten. Außerdem stellt er fest, dass sich die oft beschworenen Ängste vor Überfremdung und Kulturverlust im Rahmen der unterschiedlichsten Wanderungs- und Flüchtlingsbewegungen der Vergangenheit nie bestätigt hätten und deshalb ein neugieriger Umgang mit neuen Kulturen doch ein viel sinnvollerer sei als die Angst vor Neuem.

Im Gespräch mit den Schülerinnen gelangt er schließlich zu den Möglichkeiten und Chancen eines sinnvollen und positiven Umgangs mit den Menschen, die zu uns kämen. Er berichtet von Beispielen, die zeigten, wie Menschend, die aus ihrem Land flohen, nach einer Ausbildung oder einem Studium als Entwicklungshelfer ihrem eigenen Land helfen konnten: Ein besseres Verständnis von Demokratie, das Funktionieren einer freien Gesellschaft oder Unternehmensgründungen würde die Länder positiv prägen und voranbringen können. Urs M. Fiechtner überzeugte die Schülerinnen mit seiner offenen und gut informierten Perspektive auf die aktuelle Flüchtlingssituation.