„Ellys“ auf den Spuren der Römer

P-Seminar Latein überquert die Alpen auf der Via Claudia Augusta.

4 Tage, bis zu 10 Kilogramm Gepäck am Rücken, 60 Kilometer – zu Fuß. Das bewältigten 13 Schülerinnen der Q11 des Elly-Heuss-Gymnasiums Weiden vom 30. Mai bis zum 2. Juni mit ihren beiden Lehrkräften Hans Weiß und Kerstin Meiler im Rahmen ihres Projekt-Seminars Latein. Sie überquerten die Alpen über die Via Claudia Augusta, eine der wichtigsten Römerstraßen, die den süddeutschen Teil mit Italien verband. So konnten sie hautnah die Anstrengung des weiten Weges spüren, die bereits römische Legionäre auf sich nehmen mussten. Bevor das Abenteuer durch die Dolomiten begann, mussten die angehenden Abiturientinnen zuerst viele organisatorische Hürden bewältigen, die fast ein halbes Jahr in Anspruch nahmen und die sie zusammen im Team meisterten. Zu den Aufgaben des P-Seminars gehörte beispielsweise die selbständige Buchung der Quartiere sowie die Suche nach Sponsoren, durch deren Spenden es möglich wurde, einen Teil der Reise zu finanzieren. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an die Raiffeisenbank Krummenaab, an das Bauunternehmen Schönberger, an die Schreinerei Wagner, an die Zimmerei Götzfried, an die Stadtapotheke in Vohenstrauß, an braucht.de und an securi.de.

Nach einer langen Busfahrt, die montags um 5 Uhr früh am Elly-Heuss-Gymnasium begann, hatte man am Reschenpass das Ausgangsziel erreicht. Nach einer kurzen Besichtigung des noch aus dem Wasser ragenden Turms der versunkenen Kirche im Reschensee, startete die Gruppe ihre Überquerung der Alpen in dem kleinen Ort St. Valentin. Von dort aus begann die Wanderung durch das Gebirge, über Felder und Wiesen und durch kleine, malerische Dörfer. Selbst die starken und immer wieder aufkommenden Regenfälle am ersten Tag konnten die Motivation der gesamten Truppe nicht mindern, und nach 13 Kilometern erreichte man schließlich das erste Etappenziel, eine Pension in dem Ort Mals.

Am nächsten Tag führte die Via Claudia Augusta an beeindruckenden Wasserfällen im Gebirge vorbei. Immer häufiger sah man auch die ersten Obstplantagen, ein Zeichen dafür, dass sich die Schülerinnen und Lehrer immer weiter Richtung Süden begaben. Außerdem durchquerten sie zum allerersten Mal ein Waal, ein Gebiet im Gebirge, in dem es kaum regnet – ein geographisches Phänomen. Dieser Vegetationswechsel, der sich schon vom ersten zum zweiten Tag bemerkbar machte, beeindruckte die Wandergruppe auf ihrem Weg immer wieder. Erschöpft, aber sehr stolz über ihre zurückgelegten 16 Kilometer, kamen die Schülerinnen und Lehrer an ihrem zweiten Ziel, dem Ort Eyrs, an.

Der dritte Tag führte die Gruppe mitten durch Schaf –und Kuhweiden und auch vorbei an den ersten Weingärten. Auch das Wetter wurde zusehends besser: Die Regenausrüstung musste immer seltener bei plötzlich einsetzendem Regen herausgeholt und schnell angezogen werden. Zurückgelegt wurde an diesem Tag die weiteste Strecke, nämlich fast 20 Kilometer von Eyrs bis nach Vetzan. Das letzte Stück bis zu ihrer Pension in Plaus, dem dritten Etappenziel, wurde, wie vorab geplant, mit der Vinschgerbahn bewältigt.

Der letzte Tag begann mit einer kurzen Fahrt mit derselben Bahn von Plaus nach Töll. Danach marschierte die Gruppe Richtung Algund über den sogenannten Algunder Waalweg, der mitten durch Weinfelder führte. Von diesem Weg aus hatte man einen wunderbaren Ausblick auf das endgültiges Ziel: Meran. Dass sie die Wandergruppe schon sehr weit gekommen war, wurde nicht nur auf ihrem Kilometerzähler deutlich, sondern auch die Vegetation und das Klima hatten sich im Vergleich zu ihrer Ankunft enorm verändert. Das schon mediterrane Klima, also die Hitze und zunehmend schwüle Luft sowie die ersten Palmen, riefen bei den Schülerinnen großes Staunen und doch auch Erleichterung hervor – die letzten 10 Kilometer waren geschafft: Das endgültige Ziel war dann der Meraner Bahnhof, wo zuallererst die Wanderschuhe ausgezogen wurden.

Bei der Heimreise fuhren Schülerinnen und Lehrer mit dem Zug zunächst noch nach Bozen, die Landeshauptstadt Südtirols, und ließen dort bei einer kleinen Besichtigung des Marktplatzes und den berühmten Lauben den Tag ausklingen. Bei der anschließenden langen Zugfahrt nach Hause wurde das einmalige Erlebnis reflektiert und der letzte Blick in die Berge genossen, bis alle zwar sehr müde und erschöpft, aber wohlbehalten um kurz vor Mitternacht am Weidner Bahnhof ankamen.

Auf der gesamten Wanderung war immer der Legionsadler – eine Hommage an die Römer – auf einem Schild mit dabei, das abwechselnd von den Schülerinnen getragen wurde. Sie erzeugten somit viel Aufmerksamkeit und erhielten sehr viel positiven Zuspruch von Personen, denen sie auf ihrer Alpenüberquerung begegneten, und nicht selten war ein „Chapeau!“ oder „Toll, weiter so!“ zu hören.
Durch ihren Lehrer Herr Weiß, der das Projekt „Alpenüberquerung auf Spuren der Römer“ ins Leben gerufen und mit dem Seminar geplant hatte, konnten sich viele Schülerinnen für das Wandern, für das schöne Südtirol und sogar für einige geschichtliche Aspekte der Römer begeistern. Am Ende waren sich alle einig: Dies war nicht nur eine Schulfahrt, sondern ein Erlebnis, das keiner so schnell vergisst.