Marke „Elly“? – Was verbirgt sich dahinter? P-Seminar lüftet Geheimnis

„Also, Elly, du bist vielleicht ´ne Marke …!“ – Aber … was für eine!?“ Der Titel der Veranstaltung machte neugierig. Die Schülerinnen eines Projektseminars der Q 12 unter der Leitung von Studienrätin Sabine Hoffmann waren monatelang dieser Frage nachgegangen.

Sie hatten intensiv recherchiert, sich mit Methoden der Marktforschung beschäftigt, mit „Elly“-Schülerinnen gesprochen, das Schulleben beobachtet und schließlich ihre Ergebnisse so zusammengefügt, dass der „Markenkern“ der eigenen Schule deutlich wurde. Ideenreich und umfassend stellten sie bei einer hochinteressanten Abendveranstaltung ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit vor.

Ein szenisch gestalteter Anfang griff Alltagsgeschehen, Vorurteile aus Vergangenheit und Gegenwart wie auch Reaktionen darauf in ironisierender Weise auf. Damit war man schnell bei den Besonderheiten der Schule. Als Mädchengymnasium ist man natürlich eine Rarität in der Schullandschaft. Sie würde von den einen kritisch beäugt, von anderen spitz oder gar bissig kommentiert, meinten die Schülerinnen, träfe aber andererseits auch auf Anerkennung oder Neugier.

Interpretation von Collagen aus verschiedenen Jahrgangsstufen

Es lag nahe zunächst zu ergründen, wie sich die Schülerinnen selbst sehen oder gesehen werden wollen. Dazu hatten die jungen Marktforscherinnen Schülerinnen in verschiedenen Jahrgangsstufen Impulse zu Collagen gegeben. In ihnen spiegelten sich die Vorstellungen wider, wie zehn-, vierzehn- oder achtzehnjährige „Ellys“ ihre Schule sehen oder wie sie sie gesehen haben wollen. Entwicklungs- und reifebedingt steigt mit zunehmendem Alter die Komplexität der Collagen, der Horizont der Wunsch-Wahrnehmungen wie auch die Reflexionsfähigkeit über Fremd- und Selbstwahrnehmung. Allen gemeinsam bewusst zu sein scheint, so das Fazit, die Vielfalt und die Vielseitigkeit des Angebots. Genau darauf legten viele der Collagen wert und widerlegten damit manches verzopfte Vorurteil, das eine einseitige oder vermeintlich mädchenspezifische Orientierung des „Elly“ annimmt.

Die gleiche Richtung verfolgte ein von den Mädchen produzierter Film: Das professionell und witzig gemachte Porträt der Schule ließ alle Facetten aufblitzen, die der Unterricht, das Wahlkursangebot, das Schulleben insgesamt bieten. Es entstand ein rundes Bild einer lebendigen, aufgeschlossenen und leistungsorientierten Schule.

Als wesentliches Element des Markenkerns identifizierten die jungen Forscherinnen die Entwicklung und die Möglichkeiten des Sozialwissenschaftlichen Zweigs seit 1965. Das Elly-Heuss-Gymnasium gehörte damals zu den 26 Gründergymnasien und erlebte den Wandel des Zweigs seit den 1990er-Jahren mit und konnte ihn auch mitgestalten. Den Schülerinnen gelang es, die Zusammenhänge zwischen Ereignissen in Politik und Gesellschaft, insbesondere auch zwischen dem Wandel des Geschlechterverhältnisses mit den Entwicklungen des Zweigs und der Schulgeschichte zu verknüpfen. Der Zweig habe sich zum Flaggschiff des sozialen Lernens und der politischen Bildung entwickelt. Und biete genau das, was eine Schule der Zukunft leisten solle, wie es die Direktorin der Tutzinger Akademie für politische Bildung Ursula Münch formulierte: Sie solle jungen Menschen den Blick für die verschiedenen Realitäten öffnen und sie in die Lage versetzen, die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kritisch wie auch konstruktiv beleuchten.

Reise durch die Jahrzehnte anhand der Plakate

 

Die Ausstellung ist professionell gestaltet und wurde gut verständlich erläutert. Sie ist in den nächsten Wochen noch in der Aula der Schule zu besichtigen, bei Anmeldung übernehmen Lehrkräfte oder Schülerinnen gerne auch eine Führung.
Nicht ohne Hintersinn und mit viel Humor schlossen die Schülerinnen mit einigen Wünschen an den neuen Schulleiter. Es waren auch clevere Ideen darunter, wie sich die Marke weiter entwickeln ließe: Reinhard Hauer möchte doch manchen Vorbehalten mutig entgegentreten und die Vielfalt des „Elly“ offensiv vertreten und auch weiter gestalten. Der Schulleiter bedankte sich bei den Schülerinnen und der Kursleiterin. Er freue sich auf die Herausforderungen und werde versuchen, den Wünschen gerecht zu werden.