„Elly“-Schülerinnen beim Weltverändern in Holland: „Diszipliniert in der Rolle bleiben“

Junge Ideen in alten Klostergemäuern: "Elly-Parlamentarierinnen" selbst nach stundenlangen Debatten noch sehr gut aufgelegt

Sie debattierten im wahrsten Sinne, was das Zeug hielt, aber natürlich im geforderten Parlamentsenglisch und im Kreis von 250 jungen Leuten aus ganz Europa: Die neun Schülerinnen aus der Oberstufe des Weidener Mädchengymnasiums konnten bei einer Politiksimulation in Holland zeigen, was sie können – und taten dies dann geschickt und ausgiebig.

„Wir können die Welt verändern!“, so begann Sophia Essrich, die diesjährige Präsidentin des Model European Parliaments, ihre Rede zur Eröffnung der dreitägigen Veranstaltung in der Abtei Rolduc in Kerkrade in den Niederlanden. Sie machte den Teilnehmern Mut, die Chancen zur Mitgestaltung zu nutzen und dort anzupacken, wo Hilfe gebraucht wird. Sie ist Schülerin der Afnorth International School in Brunssum, die seit fast 30 Jahren Politiksimulationen für junge Leute aus ganz Europa veranstaltet. Die Weidener Mädchen trafen auf neugierige und ausgewählte junge Leute aus ganz Europa, die gemeinsam für die Politik des Europäischen Parlaments verantwortlich waren.

Sie diskutierten auf Englisch über die Flüchtlingssituation in Europa, das Schließen von Grenzen und das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Sollen die Europäischen Staaten noch mehr Souveränität abgeben? Welche Maßnahmen können zu einer weiteren Stabilisierung der EU-Wirtschaft führen? Wie sind die rechtspopulistischen Tendenzen in manchen Staaten zu bewerten und wie kann wieder mehr Vertrauen in die EU-Organe erzeugt werden?

Dabei waren Rollen zugeteilt und es galt, in den streng ritualisierten parlamentarischen Debatten, die eigene Rolle professionell durchzuhalten. Dies ist eine besondere Herausforderung, denn es kann schon vorkommen, dass die eigene Grundhaltung nicht mit denen der ihnen zugewiesenen Partei übereinstimmt. Einen solchen Perspektivenwechsel hielt z. B. Linda Pröm durch, die sich als Abgeordnete der „Allianz der Europäischen Konservativen und Reformisten“ mit der konservativen und EU-kritischen Politik „ihrer Fraktion“ auseinandersetzen musste. „Da habe ich zunächst schon mal geschluckt, als ich meinen Abgeordneten-Code bekommen habe. Es ist nicht einfach eine Meinung zu vertreten, die so gar nicht zu einem selbst passt!“ „Aber sie hat das prima hinbekommen“, so die begleitende Lehrkraft Sabine Hoffmann. „Die Schülerinnen müssen sich ja nicht nur auf die Gesetze vorbereiten. Sie müssen in „ihrer Rolle“ bleiben, welche durch die Zugehörigkeit zu einem Land und zu einer Parlamentsfraktion definiert ist.“

Europäische Themen auf Englisch zu diskutieren, sich gegenüber Englisch-Muttersprachlern durchzusetzen und andere von den eigenen Ideen und Vorschlägen zu überzeugen, ist eine ganz besondere Leistung, die von Selbstbewusstsein und Widerstandsfähigkeit zeugt. „Diese Erfahrung zeigt den Schülerinnen, dass die an der Schule erworbenen Fähigkeiten durchaus der Lebenswirklichkeit entsprechen: Mit Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen – auch wenn es mal wirklich anstrengend ist – kann ich so einiges schaffen – und vielleicht auch im Kleinen die Welt ein bisschen verändern.“

Gesetzesvorlagen, Änderungsanträge, Beratungen, Abstimmungen, Schlussabstimmungen: Der Parlamentsalltag ist dicht getaktet, anstrengend, spannend und manchmal voller Überraschungen. Die “Elly”-Schülerinnen konnten den Rhythmus gut mithalten und bestimmten ihn z. T. mit ihren Anträgen selbst.