Die roten Nasen kommen! – Vom Anders-Sein

Mittel- und Unterstufentheater am Elly mit witzigem wie nachdenklichem Stück über das Anderssein.

„Sie haben also auch eins!“ – „Ja, wer hat heutzutage nicht!“ Damen der besseren Gesellschaft halten sich selbstverständlich eine rote Nase als Dienstmädchen (v.l.: Lisanne Röhr, Annika Amann, Larissa Wildgans).

In der Gesellschaft der Einheimischen tauchen rote Nasen auf, erst vereinzelt auf dem Markt („Sieh mal Mama, es hat eine große Nase, eine rote!“ plärrt ein Kind heraus) oder in der Warteschlange vor dem Kino. Sie scheinen die einheimische Sprache leider nicht zu verstehen und beachten auch nicht die gängigen Höflichkeitsregeln: „He, hinten anstellen!“ regt sich ein Einheimischer (herrlich rüpelig: Stefanie Weise, 7cG) in der Warteschlange auf, als eine rote Nase sich freundlich lächelnd vor den anderen anstellt.

Dann werden es mehr. Man findet sie, ihre seltsam gurrende Sprache und ihre ulkigen Begrüßungsrituale (mit dem Hinterteil…!) reichlich seltsam. Doch man tritt beim Bierchen in Kontakt, neugierig, aber auch abschätzig. Die roten Nasen werden zahlreicher, sie werden als Objekt für grausame Kinderspielchen oder als Hausmädchen ausgenutzt.“ Nimm es nach draußen, Karl-Heinz“, befehlen genervte Mütter der besseren Gesellschaft (sehr überzeugend: Larissa Wildgans, 8a und Lisanne Röhr, 7a) ihren Sprösslingen, deren Würgespiele mit dem Rotenasekind eine, so die Mutter, Gefahr für das gediegene Interieur darstellten. Doch man fühlt sich als Wohltäter und geht davon aus, dass die bediensteten roten Nasen „ja so dankbar sind“. Auf der Straße kommt es zu ersten stummen Konfrontationen zwischen Einheimischen und Rotnasen, beigelegt nur, wenn das Kräfteverhältnis ausgeglichen ist.

Jedoch, die Einheimischen möchten Aufnahmebereitschaft signalisieren. Eine engagierte Dame (gar nicht locker, wenn sie auf nasische Art begrüßt wird – hervorragend und sehr differenziert : Laura Attiq, 8c) organisiert einen Folkloreabend in der besten Absicht, den neuen Mitbürgern etwas „Lokalkolorit“ zu vermitteln. Ihre widerspenstige, genervte Freundin Bea (wieder überzeugend: Larissa Wildgans, 8a) muss sich dafür in kratzige Tracht stecken lassen. Der Abend misslingt grandios: Missverständnisse sprachlicher wie kulinarischer Art („Nachtschneckenröllchen???“) lassen den Abend desaströs enden noch bevor die vielversprechende Akkordeonkappelle anrückt.

„Was ist denn mit denen? Mutationen? Vom Mars?“ fragen sich Arbeiter (v.l.: Lisanne Röhr, Annika Amann, Christina Heuer und Svenja Krismanek, ),neben deren Stammkiosk Gestalten mit immensen roten Nasen auftauchen (v.r.: Sarah Böckl und Vanessa Trummer). Bald folgen erste Bekanntschaften und Missverständnisse

 

Aber zäh arbeiten sich die Neuen hoch, bevölkern allmählich ganze Viertel. Zwei alte Damen (wunderbar keifend mit ihren Einkaufrollis Josephina Liebl und Anna Wittmann, beide 7cG) verstehen deshalb die Welt nicht mehr. Schließlich muss man sich gar im familiären Rahmen mit den roten Nasen auseinandersetzen, denn die Tochter (überzeugend verliebt und begeistert: Antonia Ostermeier, 8c) bringt eine rote Nase als Freund (souverän: Svenja Krismanek, 8b) mit nach Hause. Der Mutter (wieder sehr nuanciert: Laura Attiq, 8c) verschlägt es erst mal die Sprache. Dem Vater (gut gemeistert von Lisanne Röhr) ist es bei dem sich quälend dahinschleppenden Kaffeetischgespräch hauptsächlich wichtig, dass „hier nicht übernachtet wird“. Sie bemühen sich, die Eltern, aber es will nicht recht gelingen.

Letzte Szene: Eine schwarze Nase taucht auf. Die roten Nasen bemerken sie, lachen sie nach allen Regeln der Kunst aus. Die einstigen Opfer werden zu Tätern.

Dieses Stück ist unterteilt in neun Szenen, die verknüpft sind, aber keine kontinuierliche Geschichte erzählen. Dies sowie die absurden Elemente verlangten den Schülerinnen der Klassen fünf bis acht Abstraktionsvermögen, eine intensive Einarbeitung und erheblichen Einsatz ab. Das sehr beachtliche Resultat ist eine Meisterleistung der gesamten Gruppe. Die Leitung hatte StRin Doris Christl.