Region Weiden: Wo liegen die Chancen für die junge Generation?

Prof. Lothar Koppers vom Institut AGIRA vor der Weidener Schülerakademie.

An Beispielen erläuterte Prof. Lothar Koppers die Herausforderungen und Chancen für die Kommunen in der Region.

Von „Jagdrevieren“, „Nestbauwanderungen“, „Donuts–Ortskernen“ und „Witwensiedlungen“ war die Rede: Erfreulich anschaulich war der Wortschatz des Direktors des Instituts für angewandte Geoinformatik und Raumanalysen Prof. Lothar Koppers bei seinen Analysen und „Szenarien für die Zukunft“. Er traf damit schnell die Interessenlage seines Publikums, das sich zunehmend mit der eigenen Zukunftsplanung beschäftigen muss.

In Zusammenarbeit mit der Thomas–Dehler–Stiftung hatte die Weidener Schülerakademie die Veranstaltung im Rahmen ihrer Reihe „Zukunftsimpulse“ in der Max–Reger–Halle organisiert. Vor rund 200 Schülerinnen und Schülern der drei Weidener Gymnasien und des Gymnasiums Neustadt referierte der Experte vom Institut AGIRA mit Sitz in Waldsassen Daten und Interpretationen. Seine erste Nachricht war höchst erfreulich:  „Wenn ihr mit Studium oder Ausbildung fertig seid, seid ihr auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie kaum eine Generation vor euch. Diese komfortable Situation hat aber eine zweite Seite: Ihr werdet für die Sozialleistungen der dann starken älteren Generation aufkommen müssen.“

Seine Analysen betrafen die demografische Entwicklung, die Lebenskosten, Immobilien–preise, Arbeitsplätze, Schülerzahlen oder Binnenwanderungen. Damit verknüpfte der Geoinformatiker Tendenzen des allgemeinen sozialen Wandels, z. B. Lebensbruchzyklen oder die erkennbare Gentrifizierung. Immer wieder schienen die Chancen auf, die sich in den nächsten Jahrzehnten aus dem Bevölkerungsrückgang ergeben. Zu oft würde er nur als Negativ–Tendenz beschrieben, die Gestaltungschancen würden oft vernachlässigt. Seine Thesen belegte der Lehrstuhlinhaber an der Hochschule Dessau in Sachsen–Anhalt  mit Beispielen aus der Region. Gute Möglichkeiten sah er u. a. in einem starken Engagement der Region in der Energiepolitik.

Eine Chance böten sich seiner Meinung nach jungen Leuten mit den dualen Studiengängen von Unternehmen. Und wer nach dem Studium wieder in die Region zurückkehren will, hat – gerade auch in akademischen Berufen – gute Chancen, wenn er bereits bei der beruflichen Orientierung den Bedarf in der Region mitberücksichtigt. Dazu empfahl er, sich bei Betrieben oder auf Ausbildungsmessen selbst um Informationen zu kümmern.

Reges Interesse zeigten die Sprecherinnen und Sprechern der vier Gymnasien an den Positionen des Experten.

Dass seine Themen und Positionen auf starken Widerhall trafen, bewiesen die zahlreichen Nachfragen der Vertreterinnen und Vertretern der Gymnasien. Ihre meist sehr pragmatische Sichtweise bewies, dass sich viele mit der Frage „Bleiben oder Weggehen?“ durchaus beschäftigen, andererseits sich auch gut mit der Perspektive „Weggehen und Zurückkommen“ anfreunden können. Das Interesse bewies, dass die Veranstaltung den jungen Leuten manche Anregung für ihre persönliche  Zukunftsorientierung geben konnte.